Wie sollen wir das schaffen? Wird das wieder?
Das waren unsere größten Sorgen. Wie sollen wir einen Junghund stillhalten über so einen langen Zeitraum? 8-12 Wochen? Und, wird sie wieder gesund?
Aber erstmal von Anfang an…..Im Mai 2023, da war Lilou nichtmals 1 Jahr alt, humpelte sie plötzlich stark. Sie hatte am Morgen mit einem anderen Hund gespielt, alles war ganz normal. Es gab kein sichtbares Trauma, sie ist danach mit unser weiter spaziert. Daheim dann, nach einem Schläfchen auf den Fliesen, steht sie auf und humpelt heftig. Wir waren schockiert und sind direkt am nächsten Werktag zum Tierarzt. Erstaunlicherweise hatte ich direkt an das Kreuzband gedacht und das extra gefragt, aber der TA sagte, dass es das nicht ist. Mit Schmerzmittel und der Anordnung zur Ruhe gingen wir nach Hause.
Nun folgte eine lange und schwierige Zeit der „Diagnosefindung“. Lilou musste an der Leine laufen, durfte nicht spielen und wurde geschont. Nach wenigen Tagen hat man rein gar nichts mehr gemerkt und nach 2-3 Wochen Schonung gingen wir zum Alltag über. Leider kam das Humpeln wieder…..
Diesen Ablauf hatten wir dann mehrfach. Schonen, Leinenzwang, Schmerzmittel, Humpeln weg, dann war es wieder da. Auch mehrfache Tierarztbesuche brachten keine weiteren Erkenntnisse. Für uns war immer die Angst da, dass es wieder los geht mit dem Humpeln und das schlechte Gewissen. Machen wir das alles richtig?
Anfang September dann war das Humpeln plötzlich weg. Auch bei Belastung kam es über mehrere Wochen nicht wieder. Wir dachten wir hätten es geschafft, ich habe mich sogar getraut Lilou mal wieder spielen zu lassen, alles war gut. Bis Mitte November. Da ist sie in vollem Tempo über ein Feld gerannt und plötzlich war das Humpeln wieder da. Also wieder zum Tierarzt, aber diesmal sagte dieser, dass er uns gerne an einen Orthopäden überweisen würde. Das kam mir auch sehr gelegen, denn diesmal wollte ich endgültig wissen, was denn los ist.
Leider ist es mit Fachärzten beim Hund ähnlich wie bei den Menschen. Einen Termin zu bekommen ist nicht einfach, bzw. dauert lange. Wir hatten unseren dann erst im Januar, und wegen Eisglätte wurde er sogar noch einmal verschoben. Dann war es Ende Januar, als wir endlich da waren.
Die Ärztin sagt direkt: „Das ist das Knie, da ist was kaputt. Wir müssen eine Arthroskopie machen und nachschauen“. Auf dem Röntgenbild war nicht viel zu erkennen.
Eine Arthroskopie statt Bildgebung erschien mir etwas radikal, daher entschieden wir uns zuerst für ein MRT unter Vollnarkose. Der Termin war im Februar. Leider kam es wie die Ärztin befürchtet hatte, man konnte auch dort nicht endgültig alles sehen, aber klar war, es war ein Gelenkerguss, eine Gelenkentzündung und mit extrem hoher Wahrscheinlichkeit ein Kreuzbandanriss. Es gab laut Ärztin nicht viele andere Möglichkeiten, auch mit dem geschilderten Verlauf, der sehr typisch für einen Kreuzbandanriss war. Also OP, wir waren total gefrustet, aber egal ob Riss oder ob das Kreuzband nur angerissen ist, bei einem jungen, aktiven und relativ schweren Hund, gibt es keine Alternative zu einer OP. Also haben wir uns schweren Herzens dazu entschlossen und am 5. März wurde bei Lilou eine Arthroskopie mit anschließender TPLO durchgeführt.
Eine TPLO ist eine sehr erfolgversprechende, aber leider auch eine extrem invasive Form der OP. Das Bein wird durchgesägt und in anderem Winkel mit einem Implantat neu verschraubt, ein Kreuzband wird dadurch nicht mehr benötigt. Das hört sich heftig an und ist es auch, aber dennoch eine sehr gute Variante. Die OP bei Lilou war erfolgreich und alles verlief gut. Allerdings ist das Bein wirklich extrem angeschwollen und die Farbe war unfassbar! Stellenweise waren das fast schwarze, großflächige, Hämatome, es war ziemlich erschreckend. Auch konnte Lilou vor lauter Schwellungen kaum noch pieseln und hatte dabei Schmerzen, was wirklich unangenehm war. Aber nach ein paar Tagen, einem weiteren TA Besuch und abschwellenden Mitteln, wurde es entspannter.
Auch die mentale Unterstützung von guten Bekannten, die das Ganze schon dreimal durch hatten, haben mir sehr geholfen! (Danke!)
Die erste Woche wollte und konnte Lilou gar nicht auftreten, das war uns natürlich ganz recht. Wir haben sie mit einem Tuch unter dem Bauch gestützt und sie ist nur zum Lösen raus. Ansonsten saß die arme Maus angeleint im Körbchen tagsüber und hat die Nacht im Kennel verbracht. Wir waren aber bei ihr, haben sie nicht alleine gelassen…..
In der zweiten Woche wurde es schon schwieriger sie zu bremsen, vor allem wenn sie uns morgens begrüßen wollte. Dieser ungestüme Wirbelwind war schwer zu beruhigen, aber wir haben es irgendwie geschafft. Am glücklichsten war sie, wenn sie einfach auf der Wiese liegen durfte und Vögelchen beobachten konnte.
So vergingen die Wochen, die Leine am Körbchen wurde länger, die Mini-Spaziergänge auch. Langsam aber sicher ging es voran. Nach den ersten 2-3 Wochen sind mal um den Block gegangen, einer vorne, einer hat hinten gestützt.
Ansonsten immer noch angeleint im Körbchen, Nachts im Kennel….
Nach 6 Wochen wurden die Spaziergänge wieder etwas ausgedehnter, aber natürlich immer noch an der Leine, nichts Übermütiges. Der Kennel entfiel und sie war im Haus auch nicht mehr ständig angeleint.
Nach 8 Wochen war die erste Kontroll-Röntgen-Untersuchung, Gottseidank war alles gut. Das zweite Kontroll-Röntgen war nach 12 Wochen und da war dann auch der Knochen wieder gut zusammengewachsen und wir haben das GO für ein normales Leben bekommen, aber langsam steigernd ;-).
Seit der 8. Woche haben wir viel Muskelaufbau gemacht mit langen Spaziergängen und etwas Physio. Seit Woche 5 hatten wir auch eine Kombi aus Akkupunktur/Chiro und Osteopathie.
Wir haben nun Mitte August, die OP ist mehr als 5 Monate her und Lilou ist fit. Die Muskulatur ist gut aufgebaut, man merkt ihr absolut nichts mehr an. Nur in meinem Kopf sind noch Schäden, die so leicht nicht weggehen….ich überlege sehr genau, wann und wo ich Lilou von der Leine mache und mit wem….bin extrem vorsichtig. Ob sich das nochmal ändern wird? Vielleicht? Vielleicht aber auch nicht….
Wir werden oft gefragt „Wie? 6-8 Wochen Ruhe? Wie habt Ihr das geschafft?“ Manchmal frage ich mich das auch immer noch, aber irgendwie ging es, weil es musste. Aber nochmal brauche ich das nicht…..